Wann lohnen Akkus auch bei Plug&Play-Anlagen?

Lohnt sich ein Akku wirklich? – Neue Amortisationsrechnung (2026.09)






Viele rechnen sich Stromspeicher schön. Andere rechnen gar nicht – oder so kompliziert, dass am Schluss keiner mehr weiss, was eigentlich gerechnet wurde.

Die Realität ist ziemlich einfach:

Ein Akku spart nur dann Geld, wenn er teuren Netzstrom ersetzt – und zwar oft genug.

Entscheidend ist also nicht nur die Grösse des Akkus, sondern ob er regelmässig geladen und wieder entladen wird.

Daraus ergeben sich ein paar einfache Anhaltspunkte:

  • Zu wenig PV-Leistung: Kleine Anlagen füllen einen Speicher seltener. Bei schlechtem Wetter oder im Winter bleibt er entsprechend oft leer.
  • Der Verbrauch am Abend und in der Nacht ist entscheidend: Speicher amortisieren sich über den Energieumsatz. Tagsüber laden, abends und nachts entladen. Der Verbrauch ausserhalb der Sonnenstunden ist deshalb ein guter Anhaltspunkt für die sinnvolle Speichergrösse. Ein grösserer Speicher nur zum Spass ist natürlich etwas anderes.
  • Je grösser die PV-Anlage, desto zuverlässiger wird der Speicher geladen. Das gilt besonders bei schlechterem Wetter.
  • Kleine Speicher haben meist auch nur eine begrenzte Ausgangsleistung. Ein 2-kWh-Speicher bedeutet nicht automatisch, dass damit grosse Verbraucher sinnvoll versorgt werden können.
  • Mehr Speicher ist nicht automatisch besser. Wenn der Akku morgens meist noch halb voll ist, ist er schlicht zu gross.

Kurz gesagt

Bei kleinen steckbaren PV-Anlagen werden Akkus meiner Meinung nach erst ab etwa  drei Modulen mit ungefähr 450 W oder mehr pro Modul interessant.

Bei nur einem oder zwei Modulen sprechen einige Dinge gegen den Speicher:

Kosten, Speicherverluste, zu wenig überschüssige Energie, schlechtes Wetter, Winter, eine fehlende Verbrauchsmessung und oft auch eine schlechte Abstimmung zwischen Erzeugung, Verbrauch und Speicher.

Das alles macht es unwahrscheinlich, dass sich ein Akku bei nur ein oder zwei Modulen wirklich rechnet.

Natürlich gibt es Ausnahmen.

Wer zum Beispiel tagsüber sehr wenig Stromverbauch hat, weil er kaum zu Hause ist, aber Nachts eine konstante Grundlast von min 150W hat, kann zu einem anderen Ergebnis kommen.

Bei grösseren Anlagen zählen andere Dinge

Dort sind vor allem diese Fragen entscheidend:

Wie gross ist die Differenz zwischen Strompreis und Einspeisevergütung?

Wie hoch ist der Verbrauch am Abend und in der Nacht?

Was kostet der Akku?

Wie lange hält er bzw. wie lange gilt die Garantie?

Und ganz wichtig:

Was würden zusätzliche PV-Module kosten?

Denn bevor ich 1'000 Franken mehr in einen grösseren Akku stecke, würde ich immer prüfen, was dieselben 1'000 Franken in zusätzlichen Modulen bringen.


Einfache Beispiele

Zuerst ohne Akku als Vergleich:
1000 CHF, 4 Module, 1800Wp, 1500kWh Ertrag pro Jahr, 0.2 CHF/€ im Durchschnitt pro kWh (je 50% 0.1 Einspeisen, 0.3 Verbrauch) = 1000 / 1500 * 0.2 =
3.3 Jahre Amortisationszeit.


Die folgenden Rechnungen zeigen zuerst die Amortisation des Gesamtsystems. Sie zeigen noch nicht, ob sich der Akku alleine rechnet.

4 Module / 1'800 Wp / 2-kWh-Akku

Angenommener Jahresertrag: ca. 1'700 kWh
Eigenverbrauch: ca. 1'000 kWh
Einspeisung: ca. 700 kWh

Bei 0.30 CHF/kWh Strompreis und 0.10 CHF/kWh Einspeisevergütung:

1'000 kWh × 0.30 = 300 CHF
700 kWh × 0.10 = 70 CHF

Nutzen pro Jahr: ca. 370 CHF

Bei Gesamtkosten von rund 1'900 CHF:

1'900 / 370 = ca. 5,1 Jahre


4 Module / 1'800 Wp / 4-kWh-Akku

Der PV-Ertrag bleibt natürlich gleich. Der grössere Akku produziert keinen zusätzlichen Strom – er erhöht nur den Anteil, den man selbst nutzen kann.

Angenommener Jahresertrag: ca. 1'700 kWh
Eigenverbrauch: ca. 1'400 kWh
Einspeisung: ca. 300 kWh

1'400 kWh × 0.30 = 420 CHF
300 kWh × 0.10 = 30 CHF

Nutzen pro Jahr: ca. 450 CHF

Bei Gesamtkosten von rund 2'500 CHF:

2'500 / 450 = ca. 5,6 Jahre

Interessant ist hier aber noch etwas anderes:

Der grössere Speicher kostet in diesem Beispiel 600 CHF mehr und bringt rund 80 CHF zusätzlichen Nutzen pro Jahr.

600 / 80 = 7,5 Jahre

Das ist für die Frage „Lohnt sich der grössere Akku?“ eigentlich die interessantere Rechnung.


6 Module / 2'700 Wp / 6-kWh-Akku

Angenommener Jahresertrag: ca. 2'400 kWh
Eigenverbrauch: ca. 1'900 kWh
Einspeisung: ca. 500 kWh

1'900 kWh × 0.30 = 570 CHF
500 kWh × 0.10 = 50 CHF

Nutzen pro Jahr: ca. 620 CHF

Bei Gesamtkosten von rund 3'300 CHF:

3'300 / 620 = ca. 5,3 Jahre



Und jetzt nur den Akku gerechnet

Das ist eigentlich die wichtigere Rechnung.

Angenommen:

Strompreis: 0.30 CHF/kWh
Einspeisevergütung: 0.08 CHF/kWh
Speicher: 2 kWh nutzbar
Preis des Speichers: 500 CHF
Zyklen: 250 Vollzyklen pro Jahr

Nicht schöngerechnet, sondern eher konservativ.

2 kWh × 250 Zyklen =

500 kWh pro Jahr aus dem Speicher

Ohne Verluste könnte man jetzt einfach rechnen:

0.30 – 0.08 = 0.22 CHF/kWh

500 × 0.22 = 110 CHF pro Jahr

500 / 110 = ca. 4,5 Jahre

Das ist aber etwas zu optimistisch.

Denn ein Akku hat Verluste.

Nehmen wir grob 90 % Gesamtwirkungsgrad an. Um später 500 kWh aus dem Akku zu bekommen, müssen ungefähr 556 kWh Solarstrom hineingeladen werden.

Diese 556 kWh hätte man ansonsten einspeisen können:

556 × 0.08 = ca. 44 CHF entgangene Einspeisevergütung

Die 500 kWh aus dem Akku ersetzen dagegen Netzstrom:

500 × 0.30 = 150 CHF vermiedener Strombezug

Bleiben:

150 – 44 = ca. 106 CHF echter Nutzen pro Jahr

500 / 106 = ca. 4,7 Jahre Amortisationszeit

Und auch das ist noch eine einfache Rechnung.

Alterung, Standby-Verbrauch, Defekte, Kapitalkosten und eine eventuell sinkende nutzbare Kapazität sind darin noch nicht enthalten.

Auf der anderen Seite kann der Strompreis steigen oder die Einspeisevergütung sinken. Dann wird der Speicher wieder interessanter.

Mein Fazit

Ein Akku macht Spass ist aber nicht automatisch wirtschaftlich, nur weil PV-Strom übrig ist.

Er muss oft genug geladen und wieder entladen werden.

Bei kleinen Plug&Play-Anlagen fehlt dafür häufig schlicht die Energie. Dort ist ein zusätzliches Modul oft die bessere Investition.

Je grösser die PV-Anlage und je höher der Verbrauch am Abend und in der Nacht, desto interessanter wird der Speicher.

Die wichtigste Zahl ist deshalb nicht die Speicherkapazität.

Die wichtigste Zahl ist, wie viele kWh pro Jahr der Akku tatsächlich vom Tag in die Nacht verschiebt.

Genau daran verdient er sein Geld. 
Und er erhöht die Unabhängigkeit vom Netz, was sich aber nicht in Geld ausdrücken lässt.



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Kommentare, Ergänzungen, Diskussion und Fragen sind willkommen.
Ich erwarte nicht, dass man mir glaubt, die Aussagen lassen sich überprüfen und nachrechnen. 
 


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